Vossenack

Vossenack (Gemeinde Hürtgenwald) (Erstbezeugung a. 1472 Voyssnacken; a. 1516 Voyssnacken)

Vossenack Nr. 7

Auf dem west-östlich verlaufenden Höhenzug zwischen Bosselbach und Kalltal gelegen, ist Vossenack aus einem Manngut (Lehnshof) des Herzogs von Jülich hervorgegangen, das die Erbmarschälle von Jülich bzw. ihre Nachkommen innehatten. Die Hofgründung fällt in die 30er Jahre des 15. Jahrhunderts, als das Monschauer Land endgültig als Amt zum Herzogtum Jülich kam.

Die langgestreckte Geländeform hat das Motiv für die Namengebung (‘Fuchsnacken’) geliefert; mit der Siedlungserschließung im Waldgeleit ist die ursprüngliche Flurbezeichnung zum Siedlungsnamen geworden.

Römerzeitliche Funde auf dem nördlich des Bosselbachs im Verlauf der B 399 gelegenen Höhenzug deuten auf eine alte Straßenverbindung aus dem Raum Düren nach Konzen hin, doch ist der Straßenverlauf bisher nicht genauer identifiziert. Siedlungskontinuität mit weiteren römerzeitlichen Fundstellen der Vossenacker Flur besteht nicht. Das bewaldete Gebiet ist demnach erst im späteren Mittelalter, wohl vom Dürener Raum im Nordosten her, erneut erschlossen worden.

Nach dem Landrecht von 1516 gehörte Vossenack zum Mühlenbann der Kallmühle. Vermutlich haben aber manche Vossenacker in der nahe am Tiefenbach unterhalb von Bergstein, jedoch  nicht mehr zum Amt Monjoye gehörigen Lukasmühle (Konzession  1567, Bau 1569) mahlen lassen. Erhebliche Zeit später (1706) erhielt die 1705 als Ölmühle konzessionierte Mestrenger Mühle (auf Mestrengen an der Callen; s. dort) den Status einer Beimühle zur Kallmühle bei Lammersdorf, so dass die Mühlenfahrten weniger zeitaufwändig waren.

Kirche Vossenack – ca. 1940

Im Rahmen der Bestrebungen nach ortsnaher kirchlicher Versorgung kam es 1719 zu einem ersten Kirchenbau (St. Joseph) als Rektorat unter der Mutterpfarre Simmerath. Trotz der Zugehörigkeit zu Simmerath hatten sich die Bewohner von Vossenack jedoch früher faktisch weitgehend auf die näher gelegene, wenn auch nicht “zuständige” Kirche in Bergstein orientiert. Die weiteren Stationen der Pfarrorganisation sind: 1804 Pfarre im Kanton Monschau, 1827 zum Dekanat Monschau, 1952 zum Dekanat Simmerath, 1973 zum Dekanat Kreuzau. Im Zuge der Kirchbauwelle der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts erhielt auch Vossenack 1868/69 einen neugotischen Bau (Turm 1892/93), der nach der Kriegszerstörung in vereinfachter Form 1952/53 wieder errichtet wurde.

In der preußischen Kommunalordnung kam Vossenack 1816 mit Simonskall zur Bürgermeisterei Schmidt, bildete ab 1851 eine Samtgemeinde mit Schmidt und kam 1936 als Gemeinde zum Amt Simmerath. Bei der Auflösung des Kreises Monschau 1972 wurde Vossenack Teil der Gemeinde Hürtgenwald im Kreise Düren. Diesem Gemeindenamen entspricht realer Ort unter den zugehörigen Siedlungen. Der Name Hürtgenwald ist eine Parallelbildung zu englisch Huertgen Forest und hat erst durch die Literatur zur Herbstschlacht 1944 in diesem Raum Verbreitung erfahren.

Kirche Vossenack – 1945

In den schweren Kämpfen von Ende September 1944 bis Februar 1945 im Raum Zweifall – Hürtgen – Vossenack – Schmidt wurde Vossenack vollständig zerstört. Am westlichen Ortsrand und am Ortsausgang von Germeter [nach Hürtgen] sind umfangreiche Soldatenfriedhöfe angelegt. In dem verwüsteten Waldgebiet westlich von Vossenack entstand seit 1951 die Bauernhofsiedlung Raffelsbrand.

Nach Planungen, die bis 1962 zurückreichen, wurde 1967 in der Nähe des Soldatenfriedhofs  das von einem Franziskaner-Konvent getragene St. Franziskus-Gymnasium eröffnet.

Zu Vossenack gehört Simonskall im Kalltal, wo Simon Kremer auf der Grundlage einer älteren Konzession (1608) seit 1612 eine Eisenhütte (ab 1622 im Alleinbesitz) betrieb, die mit Unterbrechungen bis 1816 produzierte (seit 1741 durch die Familie Hoesch). Das Ortsbild wird durch noch erhaltene repräsentative Bauten des 17. Jahrhunderts bestimmt.

Weiteres s. Germeter, Raffelsbrand, Simonskall

Literatur: Tichelbäcker: Vossenack. Marschallhof und Dorf im Land Monschau, Hürtgenwald 1992; H. Tichelbäcker: Vossenack – vom freien Marschallhof zum Dorf im Amt Monschau, ML 32 (2004) S. 50-58; H. Tichelbäcker: Von der Lukasmühle und dem Mahlen im Allgemeinen, ML 33 (2005) S. 91-96; Th. Schreiber: Vossenack im Spiegel amtlicher topographischer Karten, ML 24 (1996) S. 82-97; R. M. Müller: Der Krieg, der nicht sterben wollte. Monschau 1944/45. Berichte amerikanischer und deutscher Zeitzeugen, 2002 (= Beiträge zur Geschichte des Monschauer Landes..5); W. Wilden: Geschichte des Franziskus-Gymnasiums Vossenack, ML 36 (2008) S. 27-33