Bibliothek

Entstehung der Sammlungen

Schon sehr bald nach der Gründungsversammlung des Geschichtsvereins des Monschauer Landes im Jahre 1923 (damals unter Namen „Geschichtsverein des Kreises Monschau [Montjoie]) hat der Vorstand die Einrichtung einer Fachbibliothek als Arbeitsinstrument für seine satzungmäßigen Aufgaben in Angriff genommen. In einer Expertise an den damaligen Landrat von Chamier führte Studiendirektor Dr. Brixius als treibende Kraft des Arbeitsausschusses aus, dass bei der Entlegenheit des Ortes und den mäßigen Verkehrsanbindungen eine solide Bibliothek zur gründlichen Arbeit unerlässlich sei. Trotz der heute beträchtlich gestiegenen individuellen Mobilität und den Möglichkeiten des Internets hat das Argument immer noch Gültigkeit.

Durch Zusammenführung einzelner Privatbestände und mit Hilfe von Finanzunterstützung der öffentlichen Hand konnte ein erster Kernbestand von einigen hundert Grundlagenwerken beschafft werden, der in Räumen des in Monschau im Aufbau befindlichen Gymnasiums untergebracht war und der von Gymnasiallehrern bibliothekarisch betreut wurde. Bis auf geringe Verluste konnte der Bestand durch den Krieg gerettet werden.

Räumliche Situation und Benutzungsmöglichkeiten

Nach dem zweiten Weltkrieg war die Bibliothek bis zum Jahre 1978 nur sehr eingeschränkt nutzbar und und erfuhr weiteren Ausbau im wesentlichen nur durch den Schriftentausch mit gleichgerichteten historischen Vereinigungen. Denn sie war, in Kisten verpackt, auf dem Dachboden des neuen Gymnasiums gelagert. Erst dank der Unterstützung des Kreises Aachen fand sie neue Aufstellung im Dachgeschoss des Hauses Troistorff in unmittelbarer Nähe zur Kreisbibliothek. Mit der Tätigkeit von Elmar Klubert (ྸ 2005) begann nach langer Unterbrechung der bibliothekarischen Arbeit ab 1982 eine systematische Erschließung auf elektronischen Datenträgern. Seit dieser Zeit sind ebenfalls wieder Neuerscheinungen kontinuierlich erworben und entstandene Lücken gezielt gefüllt worden. Von den zu Beginn der Arbeit erfassten ca. 2500 Titeln ist der Bestand auf mittlerweile ca. 6000 angewachsen. Im Jahrbuch des Geschichtsvereins wird regelmäßig über Neuerwerbungen und den aktuellen Stand berichtet.

Die enge räumliche (und auch personelle) Verbindung mit der Kreisbibliothek im selben Hause machte eine durchgehende Nutzung durch die Öffentlichkeit im Lesesaal der Kreisbibliothek möglich, einschließlich einer Anbindung an das Fernleihsystem. Die Kreisbibliothek gewann durch diese Zusammenarbeit einen Zugriff auf seltene Spezialbestände.

Im Jahr 1995 erfolgte ein tiefer Einschnitt in diese Situation und eine Trennung des Zusammenwirkens dadurch, dass die Kreisbibliothek an die Stadt Monschau überging und in Räume der Stadtverwaltung verlagert wurde, die Bibliothek des Geschichtsvereins aus statischen Gründen in das benachbarte ehemalige Gesundheitsamt umziehen musste. Aufgrund der bescheidenen personellen Kapazitäten des Geschichtsvereins konnte seitdem nur ein Öffnungstermin pro Woche angeboten werden, sieht man von einzelnen individuellen Absprachen ab. Die Nachfrage von Studierenden und Schülern (hier besonders im Rahmen von Schulprojekten und Jahresarbeiten) ist jedoch unverändert hoch.

Erstmals 1989, nach einigen Unterbrechungen seit Mitte der 90er Jahre kontinuierlich, führt die Bibliothek zusammen mit der Kreis- bzw. jetzigen Stadtbibliothek eine Bücherbörse (Tauschtag) für Sammler und andere Interessenten durch.

Charakteristik des Bestandes

Die Bibliothek des Geschichtsvereins kann ohne Übertreibung als die größte und wichtigste Spezialsammlung landeskundlicher Art (über den Bereich Geschichte im engeren Sinne hinaus auch Sprachgeschichte, Dialektologie usw. umfassend) nicht allein für das Monschauer Land, sondern auch einen weiteren Nordeifeler Bereich einschließlich der benachbarten belgischen Gebiete von Eupen und St. Vith bezeichnet werden.

Im folgenden seien einige Schwerpunkte vorgestellt; auf Standardwerke der rheinischen Geschichte, Verlagspublikationen der letzten Jahrzehnte und Ortsmonographien wird nicht eigens eingegangen.

a. Quellenwerke

Die grundlegenden Quellenpublikationen der rheinischen Geschichte des Mittelalters sind vorhanden (Urkundenbücher), darunter auch ein Kernbestand der „Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde“. Als Quellen der jüngeren Neuzeit sind u.a. die Serien der Amtsblätter der Regierung Aachen und weitere preußische Gesetzessammlungen zu nennen. Als Unikate besitzt die Bibliothek die örtlichen Zeitungsreihen „Stadt- und Landbote“ (1848-1936; auch Amtsblatt des Kreises Monschau) und „Montjoie’r Volkblatt“ (1880-1941). Beide Reihen liegen auch in Sicherheitsverfilmung von 47 Filmen mit ca. 56000 Seiten vor.

b. Zeitschriften

Hinsichtlich der Bandzahlen machen die Zeitschriften den umfangreichsten Bestand aus. Er kommt im wesentlichen aus dem Schriftentausch mit anderen Geschichtsvereinen oder der Mitgliedschaft des Geschichtsvereins zusammen, so dass das gesamte Spektrum der rheinischen historischen Zeitschriften bzw. Kulturzeitschriften vertreten ist (als älteste z.B.: „Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein“, „Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins“, „Rheinische Vierteljahrsblätter“ usw.) aber auch grenzüberschreitend u.a. die Serien aus Malmedy („Malmedy Folklore“), St. Vith („Zwischen Venn und Schneifel“), und Eupen („Geschichtliches Eupen“), weiter die Publikationen der Fachämter des Landschaftsverbandes Rheinland („Denkmalpflege im Rheinland“, „Volkskultur an Rhein und Maas“ usw.) und die Reihen des Eifelvereins. Die jüngere Landesgeschichte ist mit „Geschichte im Westen“ vertreten. Eine vollständige Aufzählung ist an dieser Stelle nicht möglich; erwähnt sei noch, dass auch Serien wie „neues rheinland“ oder „Landtag intern“ zu den Beständen gehören.

c. Spezialitäten

Zu den besonderen Schätzen der Bibliothek außer den unten gesondert genannten eher archivalischen Sammlungen zählen ältere Drucke, regionale Belletristik und seltene Exemplare der sog. „grauen“ Literatur außerhalb von Verlagswesen und Buchhandel.

Die ältesten Bände sind originale Drucke des aus Monschau gebürtigen Jesuiten, Theologieprofessors und Nationalökonomen Adam Contzen (1571-1635), nämlich die „Politicorum libri X“ (Mainz 1620) und der „Methodus Doctrinae Civilis“ von 1628 in einer deutschen Übersetzung „Wunder=Seltzame Geschicht deß grossen Abissini, Koenigs der Mohren …“ (Sulzbach 1672). Contzen eröffnet damit die Reihe von Autorinnenn und Autoren aus dem Monschauer Land, deren Druckschriften, vor allem Dissertationen, soweit sie bekannt werden, in den Bestand eingebracht werden.

Aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammt eine größere Reihe von Pilger-, Gebets- und Andachtsbüchlein, die über bibliophile Aspekte hinaus eine unschätzbare volkskundliche Quelle zur Volksfrömmigkeit der Zeit darstellen wie das „Himmlische Mirrthengärtlein“ von 1803. Diese Bücher enthalten vielfach aufschlussreiche Einträge der Vorbesitzer. Auswertungen stehen noch aus. Einige dieser Drucke sind aus der religiösen Praxis von Wallfahrten aus dem Monschauer Land nach Trier, St. Hubert (Ardennen) und anderen Orten selbst entstanden.

Die Sammlung von Romanen und Erzählungen regional bedeutsamer oder aus der Region stammender Autorinnen und Autoren wird bevorzugt ausgebaut (Clara Viebig, Nanny Lambrecht, Josef Ponten, Ludwig Mathar, Jacob Kneip u.a.).

Die vielfach zu Orts- und Vereinsjubiläen herausgegebenen Schriften, die – außerhalb des Buchhandels vertrieben – in der Regel nach kurzer Zeit nirgends mehr erhältlich und (vielfach zu Unrecht) schnell vergessen sind, werden gezielt als historische Quellen für nachfolgende Generationen dokumentiert. Ebenso werden Manuskripte von allen Arbeiten eingestellt, die mit Hilfe der Bibliothek zustande gekommen, meist aber nicht für den Druck vorgesehen sind wie studentische Examensarbeiten oder Jahresarbeiten aus den weiterführenden Schulen des Monschauer Landes (z.B. „Wahlen und Abstimmungen im Landkreis Monschau 1919-1938“; „Die Arbeiter- und Soldatenräte in der Region Aachen 1918“; „Menschenschmuggel in der Eifel von 1933 bis 1945“ u.a.m.). Dazu kommen die Belegexemplare gedruckter Dissertationen wie Josef Mangolds „Leben im Monschauer Land. Wohnen und Wirtschaften im Spiegel von Inventarverzeichnissen des 19. Jahrhunderts“ (Köln 1992) oder Rudolf Lückmanns monumentales Werk „Vennhäuser“ (Neuss 1991, 614 Seiten) und viele andere.

d. Sammlungen

In ihrer archivarischen Abteilung beherbergt die Bibliothek Sammlungen verschiedenster Art, darunter einige Nachlässe, Familienchroniken (z.B. Chronik Werner) und genealogische Untersuchungen (B. Nickel zu den Familien der Tuchfabrikanten der „Feinen Gewandschaft“), Quellensammlungen zu einzelnen Orten oder Personen (z.B. Briefsammlung Hella Horn ihres Vorfahren Johann Conrad Seyler, der um 1800 in einem Kontor der Tuchmanufaktur tätig war) und Fotoalben. Die bekannteste Sammlung ist die von Walter Scheibler 1946 begründetet Sammlung von Totenzetteln, die von Genealogen gern nachgefragt wird und die in Kopie in die Sammlungen der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde eingegangen ist. Aus diesen Beständen, deren ältestes Stück bis 1811 zurückreicht, hat der Geschichtsverein im November 1994 eine vielbeachtete Ausstellung über das Totenbrauchtum im Monschauer Land und seinen Wandel seit dem 19. Jahrhundert veranstaltet