Geschichtsverein Monschauer Land

Aufruf zur Gründungsversammlung

Der Geschichtsverein des Monschauer Landes ist im Jahr 1923 unter dem Namen „Geschichtsverein des Kreises Monschau (Montjoie)“ gegründet worden. In der Krisenzeit nach dem ersten Weltkrieg, als die französische Rheinlandbesetzung, die Abtretung von Eupen-Malmedy und der Verlust der Vennbahn das Leben der Einwohner unmittelbar bestimmte, sollte er durch Förderung des historischen Bewusstseins einer politischen Resignation entgegenwirken. Die Gründung steht damit in einer Reihe mit gleichzeitigen Bestrebungen in Erkelenz, Jülich und Heinsberg.

Anders als in diesen Kreisen aber war das Vereinsgebiet nicht einfach ein in jüngerer Zeit gebildeter kommunaler Verwaltungsbezirk, vielmehr setzte es, nur unwesentlich an einigen Rändern verändert, eine über 1000jährige territoriale Einheit fort, die mit einem Forstbezirk der Zeit Karls des Großen ihren Anfang genommen hat. (Im einzelnen ausgeführt unter dem Titel „Umfang und Grenzen des Monschauer Landes. Bestand und Wandel in der Geschichte“, in: Das Monschauer Land. Jahrbuch 27 (1999) S. 16-30)

Entsprechend der ebenfalls in den 20er Jahren sich entfaltenden Geschichtlichen Landeskunde ging und geht das Interesse und die Arbeit des Vereins über die engere Territorialgeschichte hinaus. Seine Forschungen gelten allen Aspekten der regionalen Geschichte, von der Archäologie über die Siedlungsgeschichte bis hin zur Volkskunde, zur Mundart- und Namenkunde; eingeschlossen sind weiter auch naturkundliche Themen und Fragen von Natur- und Denkmalschutz.

Einer Instrumentalisierung durch die NSDAP und der Verbreitung von nationalsozialistischem Gedankengut konnte sich der Verein ein beachtliches Stück weit durch Rückzug auf entlegene Themen entziehen. Die Veröffentlichungen dieser Zeit sind noch durchweg vorzeigbar.

Die Arbeitsergebnisse sind niedergelegt in 43 Jahrgängen der Zeitschrift „Der Eremit am Hohen Venn. Mitteilungen des Geschichtsvereins des Kreises Monschau (Montjoie)“ (1925-1971; Kürzel EHV). Dieser Titel griff den Namen einer ersten Wochenzeitung des Kreises (1829-1831) auf. Die drei ersten Jahrgänge sind noch unter dem Titel „Heimatblätter des Kreises Montjoie (Monschau)“ erschienen. Mit der Auflösung des Landkreises zum 1. Januar 1972 wurde die Zeitschrift durch Zusammenführung mit dem Kreis(heimat)kalender zum Jahrbuch „Das Monschauer Land“ (Kürzel ML) umgestaltet, der Verein in „Geschichtsverein des Monschauer Landes“ umbenannt.

Vereinsemblem

Als erste Summe der Arbeiten und überblicksartige Darstellung konnte 1955 das Werk „Das Monschauer Land, historisch und geographisch gesehen“ (hrsg. vom Geschichtsverein des Kreises Monschau, Monschau 1955) veröffentlicht werden. Neben älteren Einzelveröffentlichungen besteht für umfangreichere Themen die Schriftenreihe „Beiträge zur Geschichte des Monschauer Landes“ (seit 1990).

Schon bald nach der Gründung war der Aufbau einer Fachbibliothek in Angriff genommen worden, die den Krieg überstanden hat und die aufgrund kontinuierlicher Erweiterung heute als die bedeutendste Fachsammlung der Region gelten kann. Mit allen größeren Geschichtsvereinen des Rheinlandes besteht Schriftentausch. Angeschlossen ist das Vereinsarchiv mit vielgestaltigen Sammlungen (Fotos, Totenzettel, nichtamtliche Quellen, Nachlässe u.a.m.). Der Bestand wird zunehmend von örtlichen Geschichtsforschern, Studierenden und Schülern nachgefragt.

Der Verein zählt heute ca. 400 Mitglieder einschließlich der Tauschpartner des Schriftentauschs. Als Vorsitzende amtierten:

1923-1928 Landrat Dr. Hans von Chamier
1928-1943 Gymnasialdirektor Dr. Matthias Brixius
1943-1965 Fabrikant Walter Scheibler
1966-1984 Studiendirektor Hans Steinröx
1984-2017 Akademischer Oberrat Dr. Elmar Neuß M.A.
seit 2017 Gabriele Harzheim

Eine ausführlichere Vereinsgeschichte ist zum 80jährigen Vereinsjubiläum 2003 erschienen: E. Neuß, 80 Jahre Geschichtsverein des Monschauer Landes, in: Das Monschauer Land. Jahrbuch 32 (2004) S. 12-32.